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Die künftigen Eigentümer des Henneberger Hauses strotzen vor Elan. Am Mittwoch nahmen sie sich Zeit für einen Besuch in ihrer neuen Heimatstadt und für ein Gespräch mit der Heimatzeitung.
Schmalkalden - Marcel Schienemann und seine Lebenspartnerin Stefanie Gerber waren noch keine fünf Minuten in ihrem künftigen Hotel, als ein älterer Herr an die Tür klopfte. "Der Mann strahlte über das ganze Gesicht und wünschte uns viel Erfolg", erzählt der 32-Jährige. Durch Hörensagen und erste persönliche Kontakte sei ihm sehr wohl bekannt, dass die Schmalkalder aufgeschlossen und gastfreundlich sind, aber die Begeisterung und das große Interesse habe ihn schon überrascht.
Der Geschäftsmann, der seit neun Jahren als Selbstständiger in der Hotel- und Gastronomiebranche arbeitet, ist akurat gekleidet. Bereitwillig beantwortet er alle Fragen. Er weiß, dass sein Engagement in Schmalkalden von vielen Seiten interessiert verfolgt und beäugt wird. Schienemanns Blick schweift durch den Wintergarten. Wenn es nicht so kalt wäre, könnte man den Eindruck gewinnen, dass der letzte Gast erst vor wenigen Stunden die Gaststube verlassen hat. In der geräumigen Lobby - "einfach traumhaft" - erinnern lediglich Kataloge und Prospekte an den zweijährigen Leerstand. Dass das Gebäude nicht verkommen oder zerstört worden ist, ist vor allem Hausmeister Heinrich zu verdanken. Seit mehr als zehn Jahren steht der Grumbacher im Dienst des DRK Weimar. In den vergangenen zwei Jahren bewachte er das Hotel wie seinen Augapfel. Trotzdem gelang es Langfingern, das eine oder andere zu stibitzen, wie Kupfer vom Dach oder die gusseisernen Fußabtreter.
Seit er mit seiner Lebenspartnerin beschlossen hat, das Objekt zu kaufen und zu einem Vier-Sterne-Hotel herauszuputzen, schmiedet das Paar Pläne. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnern sie sich an ihren ersten Besuch. Nicht nur das Haus habe sie begeistert und die Möglichkeiten, die es bietet. Die Landschaft sei traumhaft, schwärmt Stefanie Gerbert, 27 Jahre jung.
Zweieinhalb Jahre war das Paar auf der Suche nach einem passenden Objekt. Das Angebot des Hotel- und Gaststättenverbandes kam wie gerufen. Spätestens im März sollen alle Verträge unterzeichnet sein. Über den Kaufpreis haben Schienemann und das DRK Weimar, seit 1997 Eigentümer des Hotels, Stillschweigen vereinbart. Investieren will er insgesamt 1,8 Millionen Euro. Diese fließen vor allem in den Umweltschutz, sagt der Jungunternehmer. So plant er den Bau einer biologischen Kläranlage und eines Blockheizwerkes. Aber auch die Räume und die Hotelzimmer, 49 an der Zahl, werden renoviert, der Aktiv- und Wellnessbereich modernisiert und erweitert. Das neben dem Hotel stehende Wohnhaus soll zu einem Ferienhaus umgebaut werden. "Wir bereiten die Sanierung bereits vor", sagt der junge Nann. Service und Qualität - darauf legen der Hotelier und die Restaurantfachfrau allergrößten Wert.
Immerhin wollen beide mit vier Sternen werben und um diese zu bekommen, müssen entsprechend des Zertifizierungskatalogs bestimmte Kriterien erfüllt sein. Die hohen Ansprüche, die sie an sich selbst stellen, erwarten sie auch vom künftigen Personal. Mit 19 Fachkräften werden Schienemann und Gerber im Herbst dieses Jahres starten und sie wollen junge Leute selbst ausbilden.
Klar getrennt sind auch die Aufgabenbereiche: Der Mann übernimmt die Vermarktung des Hotels. Der neue Name ist noch geheim. Die Frau kümmert sich um die Restaurants. Zwei soll es geben, eine Gaststube "Henneberger Haus" mit einem eher rustikalen Charakter und ein Restaurant für gehobenere Ansprüche.
Quelle: Freies Wort - Susann Schönewald |