Neuigkeiten aus der Wirtschaft

Schmalkalden stellt sich erneut der Güteprüfung

Gütesiegel „Unternehmerfreundliche Verwaltung im Thüringer Wald“ soll nach drei Jahren verteidigt werden

ufv 4c klein 13-16(0)Am 20.März 2012 erfolgte der offizielle Startschuss für das Bewerbungsverfahren. In dem Auftaktgespräch stimmten der Verein forum Thüringer Wald e.V. und die Industrie- und Handelskammer Südthüringen (IHK) als Initiatoren des Gütesiegels gemeinsam mit der Stadt Schmalkalden und dem TÜV Thüringen e. V. die Meilensteine der Güteprüfung ab.

Die Fachhochschulstadt Schmalkalden durfte sich als eine der ersten Kommunen bereits seit November 2008 mit dem begehrten Gütesiegel schmücken. Doch dieses Siegel gilt nicht für immer – nach drei Jahren steht ein erneuter Check der Kommunen auf dem Programm. Im ersten Schritt wird nun die Einhaltung der Gütekriterien, wie die Erklärung der Wirtschaftsförderung zur Chefsache, die unternehmerfreundliche Erreichbarkeit der Stadtverwaltung oder die zügige Bezahlung von Auftragsrechnungen vor Ort überprüft. Anschließend bewerten die in Schmalkalden ansässigen Unternehmen ihre Stadtverwaltung. Durchgeführt und überwacht wird die Güteprüfung zur „Unternehmerfreundlichen Verwaltung im Thüringer Wald“ durch den TÜV Thüringen e. V. als unabhängige Institution.

Der Stadtverwaltung Schmalkalden ist bewusst, dass eine unternehmerfreundliche Verwaltung einen enormen Standortvorteil bedeutet. Dies gilt umso mehr, wenn man als Wirtschafts-, Fachhochschul-, Forschungs- und Technologiestandort gilt und bisher mit sehr guten Wirtschaftszahlen glänzen kann. Bürgermeister Kaminski stellt sich ganz offen der Herausforderung: „Wir wollen nicht nur das Gütesiegel „Unternehmerfreundliche Verwaltung im Thüringer Wald“ verteidigen und damit zeigen, dass die Belange unserer Schmalkalder Unternehmen, der Handels- und Gewerbetreibenden sowie Dienstleister höchste Priorität genießen, sondern wir nutzen dies auch um bestehende Abläufe innerhalb der Verwaltung zu Hinterfragen und zu Optimieren. Die Hinweise und Anregungen der Unternehmen als auch der Prüfer stoßen dabei auf offene Ohren!“

Mehr als die Hälfte der neuen Jobs ist befristet

Suhl/Erfurt - Nicht nur die Wirtschaft vermeldet derzeit eine Erfolgsmeldung nach der anderen: steigende Umsätze, deutlich mehr Aufträge und die Bereitschaft zu Investitionen. Auch auf den Arbeitsmarkt schlägt sich der rasante Neustart nach der Wirtschaftskrise nieder. So hatten in Südthüringen im vergangenen Jahr zum Beispiel geringqualifizierte Arbeitslose überdurchschnittlich gut Chancen, wieder einen Arbeitsplatz zu finden, wie Wolfgang Gold, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Suhl, berichtet. So ging die Zahl der Arbeitslosen ohne Berufsabschluss im vergangenen Jahr von 3879 auf 2976 zurück. Der Rückgang um mehr als 23 Prozent liege deutlich über dem Landesdurchschnitt von 17,5 Prozent und auch über dem der Landesarbeitsagentur, die auch noch Sachsen-Anhalt umfasst. In beiden Bundesländern gemeinsam betrug das Minus 14,8 Prozent.

Qualifikation soll helfen

Laut Gold fanden 626 Langzeitarbeitslose ohne Berufsabschluss einen neuen Arbeitsplatz, hinzu kommen 276 Personen, die kürzer als ein Jahr arbeitslos waren. Gold sieht in den Zahlen allerdings noch keinen Grund zum Feiern. "Diese Entwicklung muss fortgeführt werden", sagt er. Helfen soll dabei zum Beispiel die gezielte Qualifikation. Doch die Vermittlungserfolge haben auch Schattenseiten. So entstehen mehr als zwölf Prozent der neuen Arbeitsplätze in Thüringen in der Zeitarbeit, wie Kay Senius, Chef der Regionaldirektion für Arbeit in Halle, kürzlich in Erfurt berichtete. Gesundheitsberufe und die Industrie folgen mit einem Anteil von vier Prozent und 2,5 Prozent an den neu geschaffenen Arbeitsplätzen erst mit deutlichem Abstand.

Erfurt bei Leiharbeit vorn

Bedenklich ist laut Senius zudem die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der neu geschaffenen Arbeitsplätze zeitlich befristet sei. In Zeiten des Fachkräftemangels und in denen noch immer Fachkräfte aus Thüringen abwandern, seien das keine Bedingungen, um Menschen an den Freistaat zu binden, sagte Senius und forderte die Unternehmen zum Umdenken auf. Er verwies auf das ohnehin sinkende Potenzial an Arbeitnehmern in Thüringen, das schon allein durch den Geburtenknick schrumpfe. Fachkräfte suchten neben einer spannenden Aufgabe und guten Aufstiegschancen eben vor allem die Sicherheit eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses und einer guten Bezahlung.

Bei der Zeitarbeit nimmt die Stadt Erfurt nach Angaben der Regionaldirektion eine bundesweite Spitzenposition ein. Nur in Hamburg und München werden - in absoluten Zahlen betrachtet - noch mehr Menschen in Leiharbeit vermittelt.

Quelle: Freies Wort - Jolf Schneider

Motiviert bis in die Tafelspitzen

Die künftigen Eigentümer des Henneberger Hauses strotzen vor Elan. Am Mittwoch nahmen sie sich Zeit für einen Besuch in ihrer neuen Heimatstadt und für ein Gespräch mit der Heimatzeitung.

Schmalkalden - Marcel Schienemann und seine Lebenspartnerin Stefanie Gerber waren noch keine fünf Minuten in ihrem künftigen Hotel, als ein älterer Herr an die Tür klopfte. "Der Mann strahlte über das ganze Gesicht und wünschte uns viel Erfolg", erzählt der 32-Jährige. Durch Hörensagen und erste persönliche Kontakte sei ihm sehr wohl bekannt, dass die Schmalkalder aufgeschlossen und gastfreundlich sind, aber die Begeisterung und das große Interesse habe ihn schon überrascht.

Der Geschäftsmann, der seit neun Jahren als Selbstständiger in der Hotel- und Gastronomiebranche arbeitet, ist akurat gekleidet. Bereitwillig beantwortet er alle Fragen. Er weiß, dass sein Engagement in Schmalkalden von vielen Seiten interessiert verfolgt und beäugt wird. Schienemanns Blick schweift durch den Wintergarten. Wenn es nicht so kalt wäre, könnte man den Eindruck gewinnen, dass der letzte Gast erst vor wenigen Stunden die Gaststube verlassen hat. In der geräumigen Lobby - "einfach traumhaft" - erinnern lediglich Kataloge und Prospekte an den zweijährigen Leerstand. Dass das Gebäude nicht verkommen oder zerstört worden ist, ist vor allem Hausmeister Heinrich zu verdanken. Seit mehr als zehn Jahren steht der Grumbacher im Dienst des DRK Weimar. In den vergangenen zwei Jahren bewachte er das Hotel wie seinen Augapfel. Trotzdem gelang es Langfingern, das eine oder andere zu stibitzen, wie Kupfer vom Dach oder die gusseisernen Fußabtreter.

Seit er mit seiner Lebenspartnerin beschlossen hat, das Objekt zu kaufen und zu einem Vier-Sterne-Hotel herauszuputzen, schmiedet das Paar Pläne. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnern sie sich an ihren ersten Besuch. Nicht nur das Haus habe sie begeistert und die Möglichkeiten, die es bietet. Die Landschaft sei traumhaft, schwärmt Stefanie Gerbert, 27 Jahre jung.

Zweieinhalb Jahre war das Paar auf der Suche nach einem passenden Objekt. Das Angebot des Hotel- und Gaststättenverbandes kam wie gerufen. Spätestens im März sollen alle Verträge unterzeichnet sein. Über den Kaufpreis haben Schienemann und das DRK Weimar, seit 1997 Eigentümer des Hotels, Stillschweigen vereinbart. Investieren will er insgesamt 1,8 Millionen Euro. Diese fließen vor allem in den Umweltschutz, sagt der Jungunternehmer. So plant er den Bau einer biologischen Kläranlage und eines Blockheizwerkes. Aber auch die Räume und die Hotelzimmer, 49 an der Zahl, werden renoviert, der Aktiv- und Wellnessbereich modernisiert und erweitert. Das neben dem Hotel stehende Wohnhaus soll zu einem Ferienhaus umgebaut werden. "Wir bereiten die Sanierung bereits vor", sagt der junge Nann. Service und Qualität - darauf legen der Hotelier und die Restaurantfachfrau allergrößten Wert.

Immerhin wollen beide mit vier Sternen werben und um diese zu bekommen, müssen entsprechend des Zertifizierungskatalogs bestimmte Kriterien erfüllt sein. Die hohen Ansprüche, die sie an sich selbst stellen, erwarten sie auch vom künftigen Personal. Mit 19 Fachkräften werden Schienemann und Gerber im Herbst dieses Jahres starten und sie wollen junge Leute selbst ausbilden.

Klar getrennt sind auch die Aufgabenbereiche: Der Mann übernimmt die Vermarktung des Hotels. Der neue Name ist noch geheim. Die Frau kümmert sich um die Restaurants. Zwei soll es geben, eine Gaststube "Henneberger Haus" mit einem eher rustikalen Charakter und ein Restaurant für gehobenere Ansprüche.

Quelle: Freies Wort - Susann Schönewald